

Rasse des Jahres 2026
Traditionell wird bei den nationalen Geflügelausstellungen jeweils eine «Rasse des Jahres» hervorge- hoben. Dies dient der Förderung seltener und bedrohter Rassen, um potenzielle neue Züchter zu gewinnen und der Rasse neuen Aufwind zu verschaffen. Für die kommende Nationale Ausstellung in Freiburg im November 2026 hat die Fachkommission von Rassegeflügel Schweiz die Appenzeller Barthühner und deren Zwerge ausgewählt. TEXT: HEINZ MATHYS

Appenzeller Barthühner ursprünglich waren sie bereits als Rasse des Jahres für die Nationalen Ausstellungen 2016 in Martigny, 2020 und 2021 in Winterthur vorgesehen. Diese Veranstaltungen fielen jedoch den Massnahmen zur Bekämpfung der Vogelgrippe und des
Coronavirus zum Opfer. Daher hatten die Züchter der Appenzeller Barthühner bis- her keine Gelegenheit, ihre Rasse zu feiern. Im vierten Anlauf wird es nun hoffentlich möglich sein, dass die Appenzeller Barthühner und deren Zwergvarianten ihren verdienten Ehrenauftritt erhalten
Entstehung
Die Appenzeller Barthühner sind eine rein schweizerische Züchtung und gelten als eine der drei Nationalrassen. Sie entstanden um die 1860er-Jahre im Appenzellerland. Sie sind aus der Kreuzung alter Landhuhnschläge hervorgegangen, bei denen man damals auf Robustheit, Klimaverträglichkeit und ansprechende Leistung achtete. Damals wurden Hühner in grossem Ausmass importiert und exportiert, aber auch geschmuggelt. So wird vermutet, dass auch die Rassen Italiener und Polverara in die Landschläge eingeflossen sind. Zu dieser Zeit wurden Hühnerrassen und -schläge kreuz und quer gekreuzt und verbastardisiert, sodass heute niemand mehr einen genauen Überblick über ihre Entstehung haben kann. Eines ist sicher: Im Appenzellerland ist zu jener Zeit eine robuste, temperamentvolle und einzig- artige Rasse entstanden, die selbst mit den strengen Winterfrösten ihrer Herkunft gut zurechtkommt.
Die Appenzeller Zwerg-Barthühner wurden Ende der 1980er-Jahre in Bottenwil AG er- züchtet. Ernst Meier, ein ehemaliger Geflü- gelrichter, begann die Zucht mit den Aus- gangsrassen Thüringer Zwerg-Barthühner und Zwerg-Rheinländer, beide im schwarzen Farbschlag. Im Jahr 1996 wurden die Ap- penzeller Zwerg-Barthühner im schwarzen Farbschlag in den Schweizer Standard auf- genommen. Später folgten auch die Reb- huhnhalsigen.
Das Zuchtziel ist ein robustes Huhn bezie- hungsweise Zwerghuhn mit lebhaftem Tem- perament und einer mittelhoch gestellten, klassischen Landhuhnform. Der Schwanz sollte leicht angezogen und gefächert sein.
1.0 Appenzeller Barthuhn schwarz. 1.0 Appenzelloises barbues noires.
Charakteristische Merkmale sind der grob geperlte Rosenkamm, der in einen vom Nacken abstehenden Kammdorn ausläuft, sowie der volle, ungeteilte Kinn- und Backen- bart, welcher die Augen nicht verdecken darf. Vitalität und gute Legeleistung sind wichtige Attribute der Appenzeller Bart- hühner und deren Zwergvarianten.

Drei anerkannte Farbenschläge
Im Standard für Europa, der auch bei uns gültig ist, sind für die Grossrasse die Farbvarianten rebhuhnhalsig, schwarz und blau- gesäumt aufgeführt. Von ProSpecieRara und der Zuchtvereinigung ursprüngliches Nutzgeflügel (ZUN) wird ausschliesslich die rebhuhnhalsige Variante betreut. Der Schweizerische Appenzeller- und Schweizerhuhnklub kümmert sich zusätzlich um die seltenen schwarzen und blaugesäumten Schläge sowie alle Farben der Zwergrasse. Bei den Appenzeller Zwerg-Barthühnern sind die Farben rebhuhnhalsig und schwarz anerkannt. Derzeit befinden sich Vertreter des silberschwarzgetupften Farbschlags im Anerkennungsverfahren. Bei der letzten Nationalen Ausstellung in Thun wurden einige vielversprechende Vertreter dieser Farbvariante vorgestellt. Einer baldigen Anerkennung dieses attraktiven Farbschlags steht somit nichts mehr im Weg. Die blaugesäumten Zwerg-«Bartlis», wie sie auch genannt werden, befinden sich derzeit in einer Schweizer Züchterwerkstatt in Entwicklung und stehen kurz vor ihrer ersten Präsentation im Anerkennungsverfahren. Mit ihrer Einführung wären dann alle Farben der Grossrasse auch bei den Zwergen
Seltene Schweizer
Während bei der Grossrasse die Rebhuhnhalsigen als sehr gut verbreitet bezeichnet werden können und deren Erhalt gesichert scheint, sieht die Zukunft der Farbschläge schwarz und blaugesäumt eher düster aus. Auch die Erhaltung der Zwergrasse ist als eher ungewiss zu bezeichnen. Gemäss aktuellen Listen sind momentan bei der Grossrasse lediglich vier Züchter der Schwarzen und zwei Züchter der Blau-gesäumten bekannt. Bei den Zwergen sieht es ähnlich aus, so gibt es aktuell drei Züchter des schwarzen Farbschlags und ebenso viele der Rebhuhnhalsigen.
Hoffen auf neue Mitglieder
160 Jahre nach der Entstehung der Grossrasse werden nun an der Nationalen Geflügelausstellung im November 2026 im Forum Freiburg die Appenzeller Barthühner und deren Zwerge ihren grossen Auftritt haben und so hoffentlich neue Züchter motivieren, sich diesem attraktiven einheimischen Kulturgut anzunehmen und damit den Fortbestand der Appenzeller zu gewährleisten. Es bleibt auch zu hoffen, dass sich der eine oder andere Züchter, der sich diese Rasse zulegt, Der betreuende Klub-Klub der Appenzeller- und Schweizerhuhn-Züchter- wie auch die Zuchtvereinigung für Ursprüngliches Nutzgeflügel (ZUN) freuen sich auf neue Züchter und sehen im Auftritt in Freiburg auch potenziell neue Mitglieder. Gerade die schwarzen und die blau-gesäumten Appenzeller Barthühner, wie auch die Appenzeller Zwerg-Barthühner in allen Farbschlägen, brauchen ganz dringend zusätzliche Züchter. Es bleibt zu hoffen, dass diese seltenen Varianten auch in Zukunft erhalten bleiben und somit ein lebendiger Teil unseres nationalen Kulturguts bleiben.